Dießen – Wie viele Orte auf der Welt wären dankbar für ein solches Erbe? Entlang der Achse zwischen Rathaus und Klosterkirche reihen sich in Dießen wie an einer Perlenschnur zahlreiche historisch und architektonisch besondere Häuser aneinander: ehemalige und aktuelle Künstlerateliers, zwei Zinngießereien mit Museum und Café, das Spitzenbergerhaus mit einem Storchennest auf dem Dach, das Anwesen des Keramikers Höfle, einige Häuser mit historischer und neuer Wandmalerei, ein Bauernhof, das ehemalige Haus des Klosterrichters und das Anwesen von Schorn, zahlreiche Schaufenster mit Kunst und Kunsthandwerk im Adebar, Kunststück, Schmuckwerk, bei Antiquitäten Hudler oder im Kunstfenster, ein Kunsttischler und ein Stuckateur und als Abschluss der Taubenturm, die Klosterkirche und das ehemalige Kloster.

Wer den in sieben Jahrhunderten gewachsenen Ort kennenlernen will, muss hier mit offenen Augen entlang gehen, ebenso wie die Jakobspilger, die sich in der Klosterkirche einen Pilgerstempel abholen können...und mit geschlossenen Ohren. Der Weg ist gestört. Die Gemeinde und die Öffentlichkeit haben offenbar wenig Interesse daran, aus ihrem Erbe einen „Arkadienweg“ zu gestalten: „Aufgrund ihrer Widmung und der damit entsprechenden Verkehrsbedeutung ist es leider nicht möglich, die Straße für den Durchgangs- und Schwerverkehr zu sperren. Auch andere Maßnahmen wie die Änderung der Einstufung als Staatsstraße oder eine Umgehungsstraße um Dießen sind gegenwärtig nicht zu erwarten.“ Die Antwort der Landrätin auf den Hilferuf von Anwohnern der Hofmark wegen der zunehmenden Belastung und Gefährdung durch den innerörtlichen Verkehr eröffnet keine Perspektive. Eine Anwohnerin der Hofmark meinte kürzlich: „...sind wir froh, dass es nicht noch viel schlimmer ist“.

Die dreiteilige Schau beginnt bei Adebar nahe dem Rathaus. Der Weg führt über die Hofmark, vorbei am Kunstfenster, wo der Maler Martin Gensbaur seine Werkstatt hat, zur Klinik im ehemaligen Kloster Dießen neben dem Marienmünster. Zur Ausstellung ist eine Ausgabe der Schriftenreihe DAS KUNSTFENSTER mit Malerei von Martin Gensbaur und Fotografie von Lorenzo Grifantini und Txema Salvans erschienen. Autoren des Hefts sind der Herausgeber Martin Gensbaur, der Kunsthistoriker Christian Burchard und der Psychotherapeut und Publizist Bert te Wildt (ISBN 978-3-9823039-6-3). Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Reise. In den gezeigten Bildern gibt der Diessener Maler den Blick frei in sein Arkadien. Und das liegt nicht in der Herrenstraße und nicht in der Hofmark.

Martin Gensbaur – ET IN ARCADIA EGO / 16.10 - 13.11.2026 /Kunstfenster, Hofmark 13 / Adebar, Herrenstraße 6 Psychosomatische Klinik Kloster Dießen, Klosterhof 20 (Eröffnung am 15. Oktober)

Abb. Kunstfenster:
Martin Gensbaur, Hofmark, Öl Lwd., 80 cm x 120 cm, 2022 / „Diessener Arkadienweg“ in der Hofmark